"Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist" (Louis Pasteur)

 

Am Sonntag ist der erste Advent. Advent heißt Ankunft und bezeichnet die Zeit im Jahr, in der sich viele Menschen auf Weihnachten vorbereiten. Auf was bereiten Sie sich im Advent vor? Was erwarten und erhoffen Sie von Weihnachten?

In diesem Zusammenhang fiel mir ein Impuls ein, den eine Kollegin von mir in einer Veranstaltung vor einigen Wochen mit uns teilte:

Sie hatte Menschen in ihrem persönlichen Umfeld folgende Fragen gestellt:

Haben Sie

SERENDIPITY?

Kennen Sie

Können Sie

 

Einige der Antworten lauteten etwa so: Solche eine indiskrete Frage beantworte ich nicht. Ich glaube nicht – ich fühle mich ganz gesund. Jetzt stellen Sie mich bloß nicht in die rechte Ecke!

 

Und wie ist es mit Ihnen? Haben, kennen oder können Sie Serendipity?

Serendepity – finding something good without looking for it

 

Ins Deutsche übersetzt heißt der Begriff „Serendipität“ und wird durch die Übersetzung nicht wirklich verständlicher. Er bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.  Verbunden mit einer intelligenten Schlussfolgerung oder Findigkeit der Beobachter*in entfaltet die Entdeckung erst ihre ganze Wirkkraft. Bekannte Beispiele sind die Entdeckung Amerikas, der Röntgenstrahlen oder des Sekundenklebers.

Als ich die Erklärung des Begriffes hörte, fiel mir sofort eine Begebenheit aus meiner Zeit zwischen Studienende und Berufseinstieg ein:

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor fast 15 Jahren nach dem Lehramtsstudium ein Praktikum in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit absolvierte. Ich hatte bis zum Beginn des Referendariats noch einige Monate Zeit und wollte sie nutzen um Arbeitsfelder jenseits von Schule kennen zu lernen. Was ich genau suchte, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.

Eines Abends saß ich auf der Terrasse vor meinem Zimmer und mir wurde klar, dass ich (jetzt) definitiv nicht in den Schuldienst wollte. Am nächsten Morgen sprach ich mit meiner Abteilungsleiterin. Ich fragte sie, wie ich mich weiterbilden könnte um die Chance auf eine Stelle in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit zu erhöhen. Sie wies mich auf eine Elternzeitvertretungsstelle in der Abteilung hin. Ich bewarb mich und bekam die Stelle.

 

Zufall? Fügung? Vorbereiteter Geist? Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Ich weiß es nicht.

Ich habe einen Text von Pablo Picasso gefunden, der für mich zum Ausdruck bringt, was mir in dieser Situation widerfahren ist:

 

Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen.

Finden – das ist das völlig Neue!

Das Neue auch in der Bewegung.
Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen:
Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

                                                                                                               – Pablo Picasso

Mich hat diese Erfahrung zu Beginn meines Berufslebens vor allem eines gelehrt: Zielgerichtete Weiterentwickeln und das Suchen nach dem eigenen Weg sind wichtig, ja. Mindestens genauso wichtig aber ist es, Vertrauen und Offenheit zu entwickeln um die Gelegenheiten, die einem begegnen, zu ergreifen, und die offenen Türen am Weg nicht vor lauter Suchen zu übersehen.

Hermann Hesse hat einmal geschrieben:

 

"Wenn jemand sucht, dann geschieht es leicht, dass sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er immer nur an das Gesuchte denkt, weil er vom Ziel besessen ist.

Suchen heißt: Ein Ziel haben. Finden aber heißt, frei sein, offen stehen, kein Ziel haben."

In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen in den kommenden Wochen eine gute Adventszeit und lass es SIE finden!

Herzlichst,

Anne Storcks

 

P.S.: Wen die Herkunft des Begriffs „serendipity“ interessiert, sei auf Horace Walpole verwiesen, der ihn Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals verwendet. Er verweist dabei auf ein persisches Märchen, in dem drei Prinzen viele unerwartete Entdeckungen machen. Das Märchen finden Sie hier: >>>The Three Princes of Serendip by Richard Boyle.

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© Anne Storcks/November 2015

 

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